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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

Der Initiator der Wittenberger Nähmaschinenfabrik

Im Jahre 1853 kamen die ersten Nähmaschinen nach Europa und dies zu einem Zeitpunkt, als keine nennenswerte Konkurrenz auf dem europäischen Kontinent vorhanden war. Die amerikanischen Firmen konnten deshalb sehr leicht den europäischen Markt erobern.

In Deutschland wie anderswo wurden damals zunächst alle Nähmaschinen in kleinen Werkstätten mehrerer kleiner Unternehmungen einzeln handgefertigt. Oft waren es nur Nach- oder Lizenzbauten. 1860 sollten ebenfalls die Vertriebsbedingungen in Deutschland und Europa verbessert werden. Ein gewisser Georg Neidlinger erhielt diesen Auftrag. Neidlinger arbeitete mehrere Jahre in der New Yorker Singerfabrik und eignete sich umfangreiche Kenntnisse über die Produktion von Nähmaschinen an. Im Jahre 1860 wurde Neidlinger nach Deutschland zurückgeschickt.

 

 

Georg Neidlinger wurde am 12. Mai 1839 in Weinheim als elftes von 12 Kindern des Landwirts Johann Adam Neidlinger (1790 - 1881) und seiner Ehefrau Magda, geb. Maschmann geboren. Nachdem 1848 die Freiheitsbewegung in Kirchheimbolanden blutig niedergeschlagen wurde, flüchteten Georg Neidlinger's Brüder Adam und Johannes über den großen Teich nach Amerika um sich der nun einsetzenden Verhaftungswelle zu entziehen. Georg Neidlinger verließ 1856, angespornt durch seine beiden Brüder, im edlen Schaffensdrang Weinheim und wanderte wie auch diese in die neue schöne Welt aus. Einige Zeit arbeitet er hier und dort, bis er am 26. November 1857 seine feste und lebensbestimmende Anstellung in der 1851 gegründeten Singer Manufacturing Company in New York fand. Der technisch begabte junge Mann arbeitete sich in kurzer Zeit vom Packer in das Fabrikestablishment hinauf und wurde 1860 nach Hamburg zurückgeschickt, um dann ganz Europa mit einem dichten Filialnetz zu überziehen. Am 18. April 1920 verstirbt Georg Neidlinger im Alter von 80 Jahren in Hamburg.

Neidlinger gründete zunächst die eigenständige Firma "Singer-Generalvertretung Georg Neidlinger", richtete Verkaufsräume und Werkstatt in Hamburg ein und machte sich dann auf den Weg durch Europa. 1895 wurde seine Verkaufsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft, die "Singer Nähmaschinen A.G.", umgewandelt, die mit dem Zusammenbau von importierten Nähmaschinenteilen zu Singer Nähmaschinen begann. Geschäftliche Informationsreisen führten Neidlinger 1902 auch nach Wittenberge, um hier vor Ort in Verhandlungen mit der Stadtverwaltung zu treten und die notwendigen Voraussetzungen für eine neuaufzubauende Nähmaschinenfabrik in Wittenberge zu schaffen.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl der Elbestadt Wittenberge stark angestiegen. Zahlreiche Kleinbetriebe mit verschiedensten Produktionen sowie Handwerker und Gewerbetreibende hatten das Wirtschaftsgeschehen hier belebt. Nun bemühte sich die Stadtverwaltung intensiv darum, neben der Ölmühle, der Shoddyfabrik, später die Naylorsche Tuchfabrik und den königlichen Eisenbahnwerkstätten weitere Industriebetriebe anzusiedeln. Dazu bot sie öffentlich Gelände im Osten der Stadtlage, also im Mündungsgebiet der Stepenitz an. Diese Lage der Ländereien war wegen der Möglichkeiten von Anschlüssen an den Elbhafen und an die Eisenbahn besonders günstig. Zahlreiche unterschiedlichste Unternehmungen gingen nach kurzen Informationen und Verhandlungen mit dem Wittenberger Magistrat schließlich doch nicht auf die angebotenen Kaufbedingungen ein.

Mit einem Schreiben vom 03. Mai 1901 zeigte "The Singer Manufacturing Co." Interesse für den Ankauf des angebotenen Areals. Am 23. Januar 1902 besichtigte der Hamburger Kaufmann, Georg Neidlinger, von der SINGER Nähmaschinen AG, das für den Bau einer Nähmaschinenfabrik in Wittenberge in Aussicht genommene Gelände.

In der SINGER Nähmaschinen AG in Hamburg waren im Jahre 1902 ca. 1.000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt.

Am 04. Oktober 1902 beschloss der Wittenberger Magistrat, der Firma Singer & Co., Nähmaschinen Aktiengesellschaft (Hamburg), die Firma von Georg Neidlinger, 4,67 ha Gelände zwischen Eisenbahn und Stepenitz für 32.000,00 Mark zu verkaufen. Der Käuferin wurde das Recht eingeräumt, das von ihr erworbene Terrain an "The Singer Manufacturing Company, Elizabeth/N.Y. (USA)", dem Singer Stammunternehmen, weiterzuverkaufen. Im "Verwaltungsbericht der Stadt Wittenberge" für 1901/1902 ist dazu ergänzend zu lesen:

"Diesem Kaufgeschäft lag die Voraussetzung zu Grunde, daß die Gesellschaft das an das städtische Terrain angrenzende Grundstück der Eisenbahnverwaltung, früher Eisenbahnschwellen-Tränkanstalt, erwerben konnte, weil sie für das Fabrikunternehmen eine zusammenhängende Fläche von mindestens 40 Morgen beanspruchte. In dieser Hinsicht mußten zumindest Schwierigkeiten insofern beseitigt werden, als der Herr Landwirtschaftsminister das Eisenbahngelände zur Errichtung eines Silos bzw. einer Marmeladenfabrik in Anspruch genommen hatte. Auf persönlicher Vorstellung des Bürgermeisters Nedwig erklärte jedoch Se. Exzellenz Herr Landwirtschaftsminister von Podbielski im Juli 1902, von der Verwirklichung dieses Projekts vorläufig noch absehen und deshalb den Verkauf des Terrains an die Singer Co. für den Preis von 60 000 Mark, und es war hiemit die Grundlage für das neue für unsere Stadt voraussichtlich bedeutungsvoll werdende Unternehmen geschaffen."

Der Kaufvertrag kam am 14.10.1902 zustande. Am 22. Oktober stimmte ihm die Stadtverordnetenversammlung zu. Die Kaufsumme in Höhe von 32.000,00 Mark wurde am 3. April 1903 an die Stadt Wittenberge gezahlt.

Mit dem Bau sollte vertragsgemäß innerhalb von drei Jahren begonnen werden. Weitere Geländekäufe zur Vergrößerung und Abrundung des Fabrikgeländes wurden von der Firma Singer bereits im darauffolgenden und noch mehrmals in späteren Jahren durchgeführt. Für 1988 wurde die Gesamtfläche des Firmengeländes mit 31,56 ha angegeben. Davon waren 66.516 m² bebaute Gebäudegrundfläche, 212.342 m² Park- und Grünanlagen sowie Sport- und Spielplätze.

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