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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

Das Nähmaschinenwerk in der nationalsozialistischen Bewegung

Die Betriebsleitung und der Singer Konzern förderten die nationalsozialistische Bewegung unter Hitler in Deutschland tatkräftig und nicht nur "passten sich an" wie es leider in anderen Chroniken dargestellt wird. Schon 1934 wurden wieder wöchentlich 6.000 Nähmaschinen produziert. Von 1934 bis 1935 hat sich die von der Singerfabrik produzierten Nähmaschinentypen von 55 auf nun 70 erhöht. Im Jahre 1934 wurde der Werkeingang mit einer Durchgangshalle plus Pförtnerraum neugestaltet.

1935 begann die Erhöhung des 07-Gebäudes um zwei Stockwerke (5. und 6. Geschoss) sowie eine erneute Erweiterung des Kesselhauses mit Aufbau eines dritten Fabrikschornsteines. Fundamentplatte 12 m Durchmesser, Schornsteinhöhe 90 m, Gewicht ca. 1.620 t. Ende 1935 wurde im Werk eine neue Betriebsgruppe, Betrieb IV (Baubetrieb) zur Überwachung und Instandhaltung aller Hoch- und Tiefbauarbeiten in der Fabrik geschaffen. Ihr Leiter wurde der Bauingenieur Fritz Gentz. Ab Juni 1936 erfolgte die Errichtung eines Verbindungsbaues zwischen Hauptbüro und der Gießerei bei gleichzeitiger Aufstockung des Putzereigebäudes und der Umgestaltung des bisherigen Hauptbüros. Der Bau erhielt 44.300 m³ umbauten Raum. Nach Fertigstellung 1937 wurde hier auch die "Oberleitung der Industrie-Abteilung" (OdIA) untergebracht, die für den Kundendienst für Großabnehmer von Nähmaschinen zuständig und früher bei der Verwaltung in Berlin angesiedelt war. An der Straßenfront wurde die "Singer Fabrikmarke", vom Bildhauer Kunstmann in Hamburg in Keramik angefertigt, sowie der Namenszug in 70 cm hohen Buchstaben angebracht. Das neue Fabriktor erhielt drei Durchgänge, je 5,45 m breit und 4,80 m hoch, die mit schmiedeeisernen Toren verschlossen wurden. Darin sind 18 figürliche Darstellungen von Werktätigen verschiedener Berufsgruppen als Flachreliefs enthalten.

Anfang des Jahres 1937 hatte die Direktion der Wittenberger Singerfabrik ihrem kaufmännischen Personal "Leitsätze für die Tätigkeit der kaufmännischen Angestellten" überreicht. Diese in 22 Punkten ausführlich formulierten betrieblichen Empfehlungen sollten zu einem "Leitfaden für alle im Betrieb Vorwärtsstrebenden" werden. Deshalb wurde von der Werkleitung die Erwartung ausgesprochen, dass diese Leitsätze "bei allen Mitarbeitern im Werk Verständnis finden und sich tief einprägen, um so einen Nährboden vorzubereiten für einen Geist, der die Bande zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer enger knüpft und eine verständnisvolle Zusammenarbeit gewährleistet."

Von August 1937 bis zum Frühjahr 1938 nahm man Erweiterungsbauten für die Härterei, die Lackiererei und die Stanzerei in Nutzung. Im Jahre 1937 wurden insgesamt 183.235 Nähmaschinen produziert.

Die Firma Singer war auch bemüht, betriebswirtschaftliche Neuerungen in ihrer Wittenberger Fabrik einzuführen. So ergaben sich durch die Einrichtung einer HOLLERITH-Abteilung am Ende der dreißiger Jahre wesentlich rationellere Arbeitsabläufe in der Lohn- und betrieblichen Kostenrechnung sowie bei Inventuren.

Der Amerikaner Hermann Hollerith (1860-1929) hatte 1880 ein Lochkarten-Maschinensystem zur Aufzeichnung und Auswertung statistischer Angaben erfunden. Erfinder der Lochkarte und Gründer der IBM Company.

Die für die Bedienung des neuen Systems notwendigen Locherinnen und Prüferinnen wurden im Betrieb selbst aus den weiblichen Kräften der Belegschaft herangebildet.

Die Wittenberger Singerfabrik begann "ihre" unmittelbaren Vorbereitungen auf einen Krieg bereits 1937. 1938 konnte ein Rückgang in der Herstellung von Haushaltsnähmaschinen um 21% registriert werden. Dagegen nahm die Produktion von Industrienähmaschinen um 32% zu. Die Uniformschneidereien für die wiedererstehende deutsche Wehrmacht, die Fallschirmproduktion, um hier nur einige Schwerpunkte anzuführen, verlangten große Stückzahlen von Spezial-Nähmaschinen. Singer trug dem Rechnung. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939, wurde dann eine teilweise Umstellung der Produktion auf diverse Rüstungsgüter eingeleitet. Die damals damit befassten Werksabteilungen, z.B. die Abteilungen 195, 197, 198 u.a. durften wegen der angeordneten Geheimhaltung nur von besonders Befugten mit Sonderausweisen betreten werden. Im März 1940 wurde die Nähmaschinenfabrikation für den Inlandbedarf eingestellt und im Mai 1940 wurde die 60-Stunden-Woche für Männer eingeführt. 300 Frauen wurden für das Werk dienstverpflichtet.

Einige Beispiele für die Rüstungsproduktion im Singerwerk:
Im III. Quartal 1941 wurden z.B. 700.000 Stück 15 mm-Hülsen für Sprenggranaten (Luft) hergestellt. Im IV. Quartal 1944 produzierte man in der Nähmaschinenfabrik 1,5 Millionen Stück 20 mm-Hülsen für Panzergranaten und, ironischer Weise, Maschinengewehre für die amerikanische Armee! Singers Verkaufsüberschuss aus der Rüstungsproduktion betrug schon bis 1942 etwa 1,7 Millionen Reichsmark. Im Jahre 1944 erfolgte dann die vollständige Umstellung auf Rüstungsproduktion.

Anfang 1945 war der geräumige Werk-Luftschutz-Bunker, 46 m lang, 21 m breit, drei Meter tief in der Erde, die Kommando- und Befehlszentrale des Wittenberger "Festungs-Kommandanten". Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Einzug der sowjetischen Truppen in Wittenberge am frühen Morgen des 03. Mai 1945 ging auch die "Singer-Ära" hier in Wittenberge zu Ende. Eine erfolgreichere, die Erfolgreichste in seiner Werksgeschichte, sollte bald nach dem Wiederaufbau des Werkes beginnen.

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