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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

Der Singer Geist

Die Absicht, fachlich gut ausgebildete Arbeiter und Angestellte für den Verbleib in der eigenen Firma zu motivieren und deshalb eng an sie zu binden, sie hier sesshaft zu machen, ließ die Singer AG schon sehr bald, nachdem sie in Wittenberge Fuß gefaßt hatte, sich um die Schaffung werkseigenen Wohnraums kümmern.

Das "Singerheim I" in der Bahnstraße entstand. Auf der angrenzenden Hoffläche zur Schiller- bzw. Bürgermeister-Jahn-Straße wurde es unter schwierigen äußeren Bedingungen während der Anfangsjahre nach dem Ersten Weltkrieg errichtet. 22 Wohnungen mit 74 Wohnräumen, einschließlich Küchen, wurden dort geschaffen. Die Firmenleitung schätzte selbst ein: "Es sind keine Paläste. Der Bau ist ein Kind seiner Zeit, aber Platz, Licht und Sonne sind im 'Singerheim I' für jeden seiner Bewohner vorhanden." Nach der Wende wurde das Haus abgerissen. 1920 kaufte die Firma die Grundstücke Zimmerstraße 6 und 7. Später Singerheim II. Hier betrug die Miete für eine Werkwohnung, 3 Zimmer, Küche, Bad, 9,70 Reichsmark wöchentlich. Während das Wohngrundstück Nr. 6 schon bald nach seinem Umbau fünf Familien eine Wohnung bot, brauchten die Baumaßnahmen, um die ehemalige Malzfabrik der Firma von August F. W. Krause, Zimmerstraße 7, zu einem Wohnhaus herzurichten, wesentlich mehr Zeit. Erst von August bis Dezember 1922 konnten die neugewonnenen 24 Wohnungen von den Mietern bezogen werden. Im Jahre 1922 kaufte Singer auch das Eckgrundstück Bahnstraße 84/Mohrenstraße, in dem bis dahin die Firma Th. Henning ihr Geschäft hatte. Nun wurde dem Gebäude ein Stockwerk aufgesetzt, es wurde nach Entwürfen des Hamburger Architekten Felix Ascher völlig umgebaut und es wurden zunächst fünf Wohnungen und ein Singer-Ladengeschäft eingerichtet. Später ist eine Wohnung zu einer Nähstube umfunktioniert worden.

Schon 1925 wurden in Breese die ersten 14 Singer-Wohnungen errichtet und 1937 durch weitere an der Dorfstraße ergänzt, früher Mittel Breese, die Singer-Kolonie 1-12 an der Wilsnacker Chaussee. Eine "Singer-Heimstätten-Siedlung" entstand in Breese mit 56 Wohnungen dann von 1936 bis 1940. Die ersten 24 Häuser waren zum Jahresende 1936 fertig. Der erste Spatenstich war am 14.12.1935 erfolgt. Für die Wohnungen einschließlich der Stallungen und ca. 1 000 m² Land waren monatlich rund 25,00 Reichsmark Miete zu zahlen. Die Grundstücke wurden im Oktober 1941 den Mietern als Eigentum übertragen. Nach der Fertigstellung dieser Siedlung standen insgesamt 143 werkseigene Wohnungen den Arbeitern und Angestellten zur Verfügung.

Auch die wachsenden kulturellen und Freizeitbedürfnisse der Werktätigen wurden seitens der Betriebsleitung des Singerwerkes ab den zwanziger Jahren erkannt und zum Nutzen des Betriebes und seiner Beschäftigten gefördert. Ein "Singer Werkverein" wurde gegründet. An seine Stelle trat ab 17.01.1934 die "Singer Kameradschaft" im Rahmen der NSG "Kraft durch Freude". Leiter war Adolf Echte. Geschäftsführer wurde später Walter Gabler. Im Jahre 1925 beginnt der Bau des "SINGER-Stadions" und 1926 erfolgt die Gründung des "SINGER-Turn- und Sportvereins Wittenberge e.V.". Ihre Spielstätte wurde der großzügig angelegte "SINGER-Park" an der Bad-Wilsnacker-Straße.

Die aus dem frühzeitig eingeführten Lehrlingsturnen erwachsene Singer-Sportvereinigung wurde schließlich bis Ende 1933 zum "SV Grünrot Minerva 09". Er war aus dem Zusammenschluss des "Singer-Turn- und Sportvereins Wittenberge e.V., 378 Mitglieder, mit dem "Sportklub Minerva 09", 144 Mitglieder, entstanden. Im ersten Namensteil sind die Farben des früheren "Singer Turn- und Sportvereins", im zweiten der Name des ältesten, im Februar 1909 durch Angehörige des Singerwerkes gegründeten Vereins aufgenommen worden. Ihr Vereinsführer wurde Karl Gerloff und Geschäftsführer war Theodor Heimann. In der starken Sportvereinigung wurden die Sportarten Fußball, Handball, Boxen, Leichtathletik und Turnen gepflegt. Als Werkturnhalle wurde ein Raum in der Versandabteilung genutzt. Die Fußballabteilung des "Singer Turn- und Sportvereins" wurde am 01.04.1927 gegründet. Seine Gründer waren die Sportfreunde Benthin und Genz. Schon 1923 wurde ein Singer-Tennisklub gegründet. Neue Tennisplätze wurden im Singer-Park am 15.06.1935 eingeweiht. Ab 08.10.1936 wurde eine Gruppe Hockey gebildet und dem Tennisklub angeschlossen. Im November 1925 wurde für den am 12.12.1925 gegründeten Singer-Kegelklub "Weisse Mieze" eine Kegelbahn im Singer-Park-Gelände gebaut. Erneuerungen daran wurden am 21.02.1938 eingeweiht. 1926 entstand ein Singer-Kleinkaliber-Schießverein. Ab August 1933 neuer Vereinsname "Kleinkaliber-Schützenverein Groß Breese". Im Juni 1932 wurde am Ausgang des Dorfes Groß Breese mit dem Bau eines neuen, modernen Kleinkaliber-Schießstandes begonnen, der 1940 über sechs Schießbahnen für 100 m, zwölf Schießbahnen für 50 m, einen Tontaubenstand und einen Pistolenstand verfügte. Der Singer-Motorrad-Klub gehörte ebenfalls als Freizeitangebot seit 1928 zu den bereits bestehenden Gemeinschaften. Eine Singer Wassersport-Abteilung gab es seit dem 21.04.1929. Am 12. Mai 1929 wurde der neue ca. 60.000 m² große Sportplatz im Singer-Park mit einem umfangreichen Sportprogramm eingeweiht. Eine Sportanglergruppe war ab 31.10.1935 in Vorbereitung und am 5. April 1938 wurden alle sportlichen Vereinigungen des Betriebes in einer "Betriebssportgemeinschaft Singer" zusammengefasst.

Am 23. April 1924 fand die Gründung eines Singer-Männer-Gesangvereines statt. Als Leiter war Obermeister Gutschmidt tätig, der ab Oktober 1928 von Obermeister Gruhn abgelöst wurde. Im Jahre 1927 erfolgte die Gründung eines "Singer Kameraklubs", dem eine Dunkelkammereinrichtung für seine Bedürfnisse im Werk zur Verfügung stand. Am 26.02. 1931 wurde die erste "Singer Photo-Ausstellung" in der Singer Kegelbahn eröffnet. Im Mai 1936 wurde dem Klub eine Frauen-Abteilung mit zunächst 10 Mitgliedern angeschlossen. Leiter dieser Abteilung wurde Herr F. Zienau. 1928 kamen ein Singer-Radioklub mit eigener Bastelwerkstatt hinzu. Seit Januar 1929 erschien dann der "Singer Werkfreund", eine monatlich herausgegebene Betriebszeitung, die sich zum Ziel setzte, "...als Bildungs- und Bindeglied zwischen Werkleitung und Werksangehörigen" zu wirken. Mit Kriegsbeginn 1939 erschien sie zweimonatlich. Die Singer-Werkkapelle wurde 1929 ins Leben gerufen und am 1. April 1929 wurde eine Werkbücherei mit ca. 2.300 Bänden den Betriebsangehörigen zur Benutzung übergeben. Am 2. März 1932 wurde ein "Singer Schachklub" gegründet. Der Schachklub hatte bei seiner Gründung 22 Mitglieder. Vorsitzende wurde Willi Rudow. Im September zählte der Verein bereits 42 Mitglieder. Am 20.12.1933 wurde der Klub mit einem anderen örtlichen Schachverein zur "Schachvereinigung Turm - Springer" zusammengeführt. Leiter war E. Wesenberg. Am 21.01.1935 standen den Werkangehörigen auch die Mitarbeit in einer Gruppe "Briefmarkensammler" und am 25. Januar 1935 einer Gruppe "Fremdsprachen" sowie ab 18.08.1935 einer Übungsgemeinschaft "Stenographie" offen. Am ersten Übungsabend im Oktober hatten sich 43 Teilnehmer eingefunden. Die Ingenieure des Singerwerkes bildeten ab dem 05.06.1936 eine Arbeitsgemeinschaft der Singer-Ingenieure.

Im Jahre 1936 wurde das "Kameradschaftsheim" mit ca. 350 Saalplätzen im Singer-Sportpark geschaffen. Der erste Spatenstich dazu war am 01.09.1935. Die Einweihung fand am 04.04.1936 statt. Es wurde dann in Eigenbewirtschaftung übernommen.

Ende 1938 wurde auf dem Fabrikgelände ein geräumiges Gewächshaus erbaut, das für die Aufzucht von Blumen und Gewächsen, für die Ausgestaltung der Arbeitsplätze und die gärtnerische Gestaltung im Singer-Park zu sorgen hatte.

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