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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

Der "volkseigene" Betrieb in der DDR

Ab 1. Juni 1947 begann man mit der Einrichtung einer Nähmaschinen-Abteilung (Meister Guhlow) im Werk. Am 1. September 1947 wurde auch die Facharbeiterausbildung wieder aufgenommen. 20 Lehrlinge wurden in den vier Berufen, Werkzeugmacher, Dreher, Fräser und Former ausgebildet. Zu den ersten Lehrlingen gehörten u.a. Schadow, Hirsch und Uhe. 1949 erhielten erstmals auch 19 Mädchen eine Facharbeiterausbildung als Nähmaschinenmechaniker. 1950 wurde eine moderne werkseigene Betriebsberufsschule eingerichtet. Im Jahre 1965 hatte das Nähmaschinenwerk schon 201 Lehrlinge. Das ehemalige "Kurhaus" in der Margarethenstraße wurde 1965 Lehrlingswohnheim mit 45 Plätzen. Heute hat dort eine Firma ihren Sitz. Zwei Heimerzieher waren zur Betreuung eingesetzt. 1978 waren 17 Lehrmeister und 12 Berufsschullehrer für die Ausbildung von 300 Lehrlingen in 15 Ausbildungsberufen verantwortlich. 1985 gab es 210 Lehrlinge im Wittenberger Nähmaschinenwerk.

Auch die Eigentums-/Mietverhältnisse wurden nun fast geklärt.  Der Bilanzwert betrug 2.454.130,00 Reichsmark. Per 01.10.1947 erfolgte die Übernahme der Wittenberger Fabrik in die Verwaltung der Landesregierung Brandenburg. Die Belegschaft des Betriebes betrug am 31.12.1947 insgesamt 616 Personen.

Nachdem unter Leitung des Ingenieurs Precht zunächst eine erste "Überwendlich-Interlock-Nähmaschine Klasse 88/1" für die Textilindustrie entwickelt worden war, erfolgte bald die handwerkliche Fertigung solcher Maschinen in Kleinstserien. Die erste Serie davon umfasste 4 Nähmaschinen, die zweite Serie zehn Stück. Ein Technisches Büro unter Leitung des Ingenieurs Fischer und ein Laboratorium (Leitung Max Wypyrsczyk) waren am 15.12.1947 eingerichtet worden. Dem folgte am 03.02.1948 die Eröffnung einer Schuhmacherwerkstatt und am 11.06.1948 die Einrichtung von Abteilungen Betriebswerkstatt und Transport. Am 1. Juli 1948 erfolgte die Aufnahme des "Industriewerkes Wittenberge" in den Verband der Textilmaschinenbetriebe - in den VVB Textilmaschinenbau. Bis zum Jahresende wurden 220 Industrienähmaschinen hergestellt. Ein Hafenumschlagbetrieb nahm am 1. August 1948 seine Tätigkeit auf.

Die erste Betriebsgewerkschaftsleitung mit ihrem Vorsitzenden Turban wurde am 21.09.1948 gewählt und schon am 8. Oktober 1948 wurde das ehemalige Singer Kameradschaftsheim nun als erstes Klubhaus eines volkseigenen Betriebes in der damaligen Ostzone eingeweiht.

Im gleichen Jahr wurden noch folgende Betriebsabteilungen eingerichtet: Arbeitsplanung und -vorbereitung (Petersdorf), Kesselhaus, Expedition, Lackiererei (Seehaus) und Gußfräserei (Hecht). Ab 19. Januar 1949 wurde der Betrieb als "TEXTIMA Nähmaschinenwerk Wittenberge" in das Handelsregister eingetragen. Nun begann die planmäßige fabrikmäßige Produktion von Gewerbenähmaschinen der Klasse 31 nach dem Zweiten Weltkrieg in Wittenberge. Innerhalb des ersten "Zweijahrplanes" lauteten die Planauflagen:

1. Halbjahr 1949 monatlich 200 Nähmaschinen für die Bekleidungsindustrie,
2. Halbjahr 1949 monatlich 400 Nähmaschinen für die Bekleidungsindustrie,
1950 monatlich 800 Nähmaschinen.

Ferner wurde ein Betriebsschutz eingerichtet und ab Mitte Juni 1949 erfolgte die Gründung einer Abteilung Montage und Aufstell.

Am 05.04.1949 wurde in der ehemaligen Kegelbahn ein Betriebskindergarten ausgebaut. Am 8. März 1954 erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau eines neuen Kindergartens, der dann im Februar 1955 zur Nutzung übergeben wurde. Im April 1949 erfolgte die Eröffnung einer Konsum-Verkaufsstelle im Werk. Die Gründung der Betriebssportgemeinschaft "Industrie" erfolgte am 04.07.1949.

Am 03.06.1960 erfolgte der Zusammenschluss der Betriebsportgemeinschaften (BSG) von jetzt BSG "Motor" Wittenberge (Nähmaschinenwerk) und der BSG "Chemie" Wittenberge (Zellstoff- und Zellwollewerk) zur BSG "CM Veritas" Wittenberge. Der Verein wurde Wittenberges größter und erfolgreichster Sportklub.

Eine Abteilung Härterei (Schulze) nahm am 03.08.1949 ihren Betrieb auf, eine Abteilung Betriebsstatistik (Gehrand) folgte am 30.09.1949, die Abteilung Fertigungskontrolle (Bohrsdorf) am 01.10.1949 und die Einrichtung eines Auftragsbüros (Weigelt) am 04.November 1949. Ab 24. August 1949 war die Herstellung von Guß für Öfen, Pumpen usw. eingestellt worden. Mit der jetzt in Wittenberge produzierten Gewerbenähmaschine Klasse 31 beteiligte sich das Werk an der Frühjahrsmesse in Leipzig und lieferte seine ersten Exportmaschinen für die polnische Trikotagenindustrie aus. Die Gesamtzahl der 1949 im Wittenberger Werk gefertigten Nähmaschinen betrug 3.002 Stück.

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