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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

Die Liquidation des Nähmaschinenwerkes

Am 4. Juli 1990 fand von 10.00 bis 11.00 Uhr der erste Warnstreik nach der deutschen Einheit gegen die drohende Stilllegung des Betriebes statt. Ab dem 6. August 1990 lautete der neue Firmenname "Nähmaschinenwerk Wittenberge G.m.b.H.". Die Betriebsleitung hoffte auf die Möglichkeit, die Nähmaschinenproduktion am traditionellen Standort Wittenberge weiterführen zu können. Das Modell "Rubina 1462" wurde vom Nähmaschinenwerk jetzt u.a. angeboten. Im Jahre 1990 wurden noch 430.000 Stück Nähmaschinen aus dem Nähmaschinenwerk verkauft. Bis etwa Mitte des Jahres 1991 waren im Nähmaschinenwerk Wittenberge noch ca. 1.000 Beschäftigte tätig.

Die Treuhand schloss am 31.07.1991 mit der indonesischen Firma "Saytya Negara Utama", vertreten von einem Herrn namens Haji Abdullah Saly, einen Kaufvertrag. Was sich zu Anfang wie eine zukunftssichernde Privatisierung anließ, entpuppte sich wenig später als ein existenzvernichtender Betrug. 60 bis 80 Millionen Mark gab der Indonesier vor, in das Werk zu investieren. Nachdem das Geld nicht wie vereinbart überwiesen wurde, trat die Treuhand vom Vertrag zurück. Im September 1991 erstattete sie Strafanzeige gegen den vermeintlichen Investor. Der setzte dem ganzen die Krone auf und machte nach der Annullierung des Kaufvertrages seinerseits deftige Forderungen geltend. 3,4 Millionen Mark sollte die Treuhand ihm zahlen, die er für "Messe- und Präsenzkosten" für das Nähmaschinenwerk ausgegeben haben wollte. Saly war mit dem Unternehmen übereingekommen, für das Nähmaschinenwerk eine Industriemesse in Jakarta mit 40.000 Nähmaschinen auszustatten. Die Nähmaschinenwerker hielten sich an die Abmachung und schickten per Schiff (Container) die bestellten Maschinen nach Jakarta. Dort verschwanden die Maschinen von der Bildfläche. Erst nach langem Hin und Her konnte der Verbleib der Maschinen geklärt werden und einige Maschinen konnten nach Wittenberge zurück geholt werden. Große Teile der Fracht, lagern aber immer noch im Hafen von Jakarta. Im Jahre 2005 verkauft die Firma "Gaston", Director/CEO/General Manager ein gewisser Mr. Rahadi Elwis Wilaksono, die Nähmaschinen, insbesondere die "Profi 1770" in Indonesien. Nachdem das angebliche Geschäft gescheitert war, reichte die Treuhandanstalt das Nähmaschinenwerk zur Abwicklung weiter. Eine Sanierung unter eigener Regie lehnte die Treuhand ab.

Am 23.10.1991 übermittelte der Vizepräsident der Treuhandanstalt Hero Brahms, dem Geschäftsführer der Nähmaschinenwerk GmbH, Dr. Klaus Völzer, den Beschluss der Treuhandanstalt, per Fax, zur Liquidation des Nähmaschinenwerkes in Wittenberge

Das Nähmaschinenwerk Wittenberge stellte Ende Oktober 1991 nach 88 Jahren offiziell seine Produktion ein. Letzter Betriebsleiter war der Ökonom Dr. Klaus Völzer.

Am 20. Dezember 1991 lief symbolisch die letzte Haushaltsnähmaschine, eine "Famula 4681" mit der Stücknummernzahl 7.535.828te vom Band und damit kam das endgültige "Aus" für die noch rund 800 Beschäftigten. Zum 31. Januar 1992 wurden alle Nähmaschinenwerker von der Nähmaschinenwerk Wittenberge GmbH, in Liquidation, gekündigt.

Am 11.12.1991 erfolgte die Gründung der Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft Wittenberge (QBW) im ehemaligen Nähmaschinenwerk. Eine ABM-Auffanggesellschaft für nur 619 Arbeitnehmer des Treuhandunternehmens Nähmaschinenwerk Wittenberge GmbH. Geschäftsführer wurde der frühere Schichtelektriker im VEB Nähmaschinenwerk Gerd-Rüdiger Rieck. Die Aufgabe für die ehemaligen Nähmaschinenwerker war, die Demontage ihres eigenen Arbeitsplatzes. Diesmal aber nicht für eine Besatzungsmacht - oder doch? Ab dem 01.01.1997 wurde auch diese Gesellschaft aufgelöst.

Auf einer Liquidations-Versteigerung im ehemaligen Klubhaus "VERITAS" erfolgte am 30.03.1993 durch das Hamburger Auktionshaus "Walter H.F. Meyer" der Ausverkauf des Nähmaschinenwerkes Wittenberge und das Klubhaus selbst, Eigentümer war jetzt die Stadt Wittenberge, wurde am 29. Januar 1996 Opfer einer Brandstiftung.

Die letzten Amtshandlungen erfolgten am 11.01.2000, Löschung der Wortmarke "VERITAS" und am 22.02.2001, Löschung der Wort- Bildmarke aus dem Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamtes für die Nähmaschinenwerk Wittenberge GmbH.

Mit der Schließung des Nähmaschinenwerkes in Wittenberge, begann auch der Niedergang - der einst so blühenden Stadt an der Elbe.

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