+ V E R I T A S L O U N G E +

Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 
  Die Geschichte der Nähmaschine III

Singer war zu dieser Zeit, um 1850, ein gescheiterter Erfinder, der eine Buchstabenschnitzmaschine nicht verkaufen konnte. Er arbeitete deshalb in der Nähmaschinenwerkstatt von Orson C. Phelps, der die Nähmaschine von Lerow & Blodgett herstellte. Diese Maschinen hatten denselben Nachteil wie die Nähmaschine von Howe: sie nähten nur soweit, wie die Nähschiene reichte - also etwa 30 bis 40 cm. Singer änderte die Konstruktion durch eine senkrechte Nadelstange, eine waagerechte Antriebswelle und einen kontinuierlichen Stofftransport. Das Patent für diese Änderungen machte die Einrichtung einer Werkstatt durch die Partner Orson C. Phelps, George B. Zieber und Singer möglich. Singer entwickelte sich zusätzlich zum Vermarktungsgenie. Die Zahlungen an Howe jedoch beruhten auf einem früher für Howe patentierten Bauteil, das Singer von Blodgett übernommen hatte. Auch alle anderen Hersteller mussten Abgaben an Howe dafür zahlen.

Es ist der Verdienst der von Isaac Merrit Singer 1851 gegründeten gleichnamigen Firma, dass die ersten Nähmaschinen nach Howes Idee fabrikmäßig hergestellt wurden. Der tüchtige Firmeninhaber machte somit die Nähmaschine populär und sorgte auch für dementsprechenden Absatz. Der Verkauf auf Abzahlung ist ebenfalls eine Erfindung der Singer Company. Die Idee stammt von Singer's Partner und Teilhaber an der Firma - Edward C. Clark.

Die Partner Grover und Baker in Amerika erhielten am 11. Februar 1851 das Patent No. 7931 für die Zweifadenkettenstich-Nähmaschine.

Wie schon erwähnt, im Jahre 1852 gelang dem Amerikaner, Alan B. Wilson, eine der bedeutendsten Erfindungen der Nähmaschinengeschichte. Alan B. Wilson baute die erste Greifernähmaschine der Welt. Alan B. Wilson erfand eine Möglichkeit, Nähgut aller Art einwandfrei zu nähen. Dabei handelt es sich um den noch heute gebräuchlichen Stoffvorschub mit Viereckbewegung. Der Wilsonsche Stoffschieber macht bei jedem Stich über der Stichplatte eine Vorschubbewegung, sinkt dann unter die Platte und kehrt in die Ausgangsstellung zurück. Der Kunsttischler Wilson hatte schon Jahre zuvor eine vorwärts und rückwärts nähende Maschine entwickelt, für die er 1850 sein erstes Patent erhielt. Die Auswertung war jedoch unmöglich, weil das verwendete doppelspitzige Schiffchen bereits geschützt war. Wilson tat sich deshalb mit Wheeler zusammen und konstruierte den rotierenden Greifer mit Spule. Aus diesem wiederum entstand dann 1852 die erste Nähmaschine mit Umlaufgreifer, gebogener Nadel und Hüpfertransport. Das Patent für den umlaufenden Greifer bekam Alan B. Wilson 1849. Am 15. Juni 1852 das für die stationäre Spule. Der amerikanische Techniker Walter House hat die Erfindung, den umlaufenden Greifer dann weiterentwickelt.

James Gibbs ein Farmer aus Virginia entwickelte in 2 Jahren eine neuartige Kettenstichnähmaschine und ließ sie 1856 patentieren. Mit Willcox zusammen verbesserte er die Maschine und ließ sie serienmäßig herstellen. Weil sie preisgünstig war fand sie für damalige Verhältnisse großen Absatz und wurde kaum verändert bis fast 1930 gebaut. 1887 brachte die Firma Willcox & Gibbs eine neue Nähmaschine mit dreimal pro Stich umlaufenden Greifer mit Brille auf den Markt. Am 17. April 1873 erhielt ein Eduard Ward das Patent für seinen Arm.

Im Jahre 1885 verbesserte der Techniker W. House den Umlaufgreifer von Wilson, einen rotierenden Greifer, der durch einen Treiber bewegt wird. Die Gebrüder Mack entwickelten im gleichen Jahr den Standard-Greifer, einen umlaufenden Greifer, der durch zwei Stifte bewegt wird und wechselweise in geeignete Bohrungen im Greiferboden eingreift. Ähnlich wie der Standard-Greifer von den Gebrüdern Mack funktioniert der Umlaufgreifer von White, der aus dem Jahre 1900 stammt. Er läuft in einer geeignet liegenden Bahn und wird durch wechselndes Eingreifen von Treiberstiften bewegt.

Kaum beeinflusst wurde die Entwicklung der Haushaltnähmaschine durch die Konstruktion der ersten deutschen Zickzacknähmaschine im Jahre 1882 durch John Kayser (englische und amerikanische gab es schon länger). Die Kaysersche Nähmaschine war zu umständlich und zu störanfällig. Die Zickzacknähmaschine setzte sich erst nach 1930 durch. Entscheidend war die Konstruktion des Mechanikermeisters Handschuh. Die Naht unterscheidet sich von der Naht der Geradstichmaschine dadurch, dass sie elastischer ist und Verwendung bei Spezialarbeiten findet.

Im Jahre 1853 kamen die ersten amerikanischen Nähmaschinen nach Europa und wurden unverzüglich nachgebaut. Mansfeld in Leipzig 1853, Böcke und Beermann in Berlin 1854 gehörten zu den ersten deutschen Herstellern gefolgt von Clemens Müller 1855 in Dresden. Die amerikanischen Firmen hatten deshalb immer große Probleme auf dem deutschen Markt - mit Ausnahme der Singerfirma von Georg Neidlinger in Hamburg.

Adam Opel baute 1862/63 seine erste Nähmaschine in einem Kuhstall, weil sein Vater es nicht erlaubte, dass in seiner Schmiede so moderne Apparate gebaut werden. Für den Bau der ersten Maschine brauchte er acht Monate, die er aber gut überstand, weil er Nähmaschinen aus Frankreich und England im großen Stil verkaufte und Weinverkorkmaschinen herstellte. Die lange Bauzeit ist auch darauf zurückzuführen, dass Opel die benötigten Spezialstähle und Nähmaschinenkleinteile von seinem in Paris gebliebenen Bruder besorgen und schicken lassen musste. So wurde die erste Opelnähmaschine dann auch eine exakte Kopie der in Paris gefertigten Plaz & Rexroth Nr. 1.  1886 wurden dann die ersten Fahrräder, um die Jahrhundertwende die ersten Autos gebaut.

Menu

Nach oben  Nähmaschine, Chronik III

Copyright © by Veritasklub [Germany]

0.gif (43 Byte)

[Main]    [Zurück]    [Weiter]