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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 
  Die Geschichte der Nähmaschine IV

Georg Michael Pfaff war Blechinstrumentenbauer und kam 1862 über die Reparatur von Nähmaschinen zum Bau von eigenen Nähmaschinen. Anfangs nach dem System von Howe, später Singer. Die Pfaff AG überlebte die kritischen 80er Jahre nicht, wurde von Singer geschluckt und musste 1999 Insolvenz anmelden. Heute gibt es nur noch den Warennamen "PFAFF".

1879 konstruierte Max Gritzner aus Karlsruhe den zweimal umlaufenden Greifer ohne Brille. Seine Maschine hatte außer diesem Greifer einen Spulenkapsellüfter, einen umlaufenden Fadengeber und eine gesteuerte Fadenspannung. Allerdings erging es Gritzner wie vielen Erfindern, seine Idee wurde erst viel später populär, als die Amerikaner seine Erfindung übernahmen.

1893 wurde in der Schweiz die erste Hohlsaummaschine bei den "Gebrüdern Gegauf" gebaut, Erfinder war Fritz Gegauf. Wenige Jahre später entstand dann die neue Nähmaschinenfabrik Fritz Gegauf AG, welche bis heute noch Nähmaschinen baut. Seit 1932 heißen diese Maschinen "BERNINA". Ab 1946 bauten sie in Steckborn die erste Zickzack-Freiarmnähmaschine der Welt. Einige der heutigen Bernina-Nähmaschinen sind nach modernsten Bedürfnissen mit einem Computer ausgestattet. BERNINA ist heute eine erfolgreiche Marke.

Die Firma Tavaro S.A. in Genf baute 1940 die erste transportable elektrische Freiarmnähmaschine, nach den Patenten von Casas, der bereits fünf Jahre zuvor die erste Vorserie hatte herstellen lassen. Nach vielen sehr erfolgreichen Modellen ist Elna-Tavaro inzwischen auch Vergangenheit.  Über 200 Firmen sind in Deutschland bekannt, die sich mit dem Bau von Nähmaschinen beschäftigten. Namen wie Opel, Phoenix, Naumann, Köhler, Adler, Stoewer und natürlich die legendäre "VERITAS" aus Wittenberge gehören zu ihnen.

Die deutsche Nähmaschinenindustrie hatte im letzten Jahrhundert einige Krisen zu überstehen. Zunächst waren da die beiden Weltkriege, die dazu führten, dass nahezu alle Nähmaschinenfabriken ihre Produktion auf kriegswichtige Dinge umstellen mussten. Der Verlust des gesamten Außenhandels war nach den Kriegen nur schwer wieder gut zu machen. Um 1948 stiegen dann bekannte Firmen, die ihre angestammte Produktion nicht fortführen durften, auf Nähmaschinen um. Messerschmitt, Zündapp und Elac gehörten dazu. Schon nach wenigen Jahren wurde der Markt nun eng, insbesondere für die Nähmaschinenfabrikanten in der BRD. Hinzu kam, dass die ersten preiswerten Fernostimporte in den Großhandelsfirmen der Bundesrepublik auftauchten. Der entstehende Preiskrieg führte zu Zusammenschlüssen von bundesdeutschen Firmen - "Apha" mit den Firmen Anker, Phönix, Adler, oder auch zu Arbeitsgemeinschaften mit Japanern "Adler und Toyomenka" und ähnliches und endete dann in den siebziger Jahren mit der Produktionseinstellung bei fast allen bundesdeutschen Firmen. Nur Pfaff blieb zunächst verschont. Runtergewirtschaftet wurde "Paff" dann 1993 von Singer geschluckt.

Das "VERITAS" Nähmaschinenwerk in Wittenberge, in der ehemalige DDR, avancierte in den 1980er Jahren zur modernsten Nähmaschinenfabrik der Welt und erfolgreichstes Nähmaschinenunternehmen in Mittel- und Westeuropa. Mit der sogenannten "Wiedervereinigung Deutschland" wurde der Betrieb, aus Furcht vor der nun folgenden Konkurrenz, staatlich liquidiert. Heute produziert in Europa nur noch die schweizerische Firma "BERNINA" Haushaltsnähmaschinen. Singer selbst hat sich stark verändert. Die eigentliche Singerfirma hat sich vor Jahren der Weltraumtechnologie zugewandt und die Nähmaschinenfertigung an eine Lizenzfirma (Markenrechte) abgegeben.

Heute werden in der Bundesrepublik Deutschland keine Haushalts- oder Industrienähmaschinen mehr hergestellt. Mehrere kleine Unternehmen haben sich auf nähtechnische Besonderheiten spezialisiert.

Auch der Antrieb der Nähmaschine hat sich im Laufe der Jahrzehnte entscheidend gewandelt. In der Nähindustrie ist heute eine Nähmaschine ohne modernen Elektronik Stop-Motor nicht mehr denkbar. Der Maschinenantrieb erfolgt deshalb direkt, ohne Antriebsriemen. Die schlanke Form repräsentiert ein neues Zeitalter für das Nähmaschinendesign und der Computer wurde ein Baustein in der Nähmaschine.

Last but not least, es muss zugegeben werden, dass die Erfindung und der technische Ausbau der Nähmaschine in der Hauptsache der zielbewussten Arbeit vorwiegend amerikanischer Firmen und ihrer Konstrukteure zu verdanken ist.

Text: Lothar A. K. Wuttke [Veritasklub]
Fotos: Nähmaschinen-Museum Gebrüder Mey [Albstadt]
Cooperatoren: Österreichischer Patentinhaber- und Erfinderverband [Wien]
blank.gif (807 Byte) Xaver und Ruth Kölliker-Frey [Obererlinsbach]
blank.gif (807 Byte) Dr. Peter Wilhelm [Gleichen]

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