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  Firmengründer VI

Bedingt durch die unterschiedlichen Persönlichkeiten, Clark war ein tief frommer Mann, und Singers Eskapaden, lösten Singer und Clark am 6. Juni 1863 ihre Partnerschaft auf und entschieden, bis zum Tode einer der beiden, auf die Präsidentschaft der Firma zu verzichten. Bis zu Issac Singers Tod 1875 war daher Inslee Hopper Präsident der Firma von 1863 bis 1876, bevor dann Edward Clark die alleinige Präsidentschaft übernahm. Singer ließ sich seinen Anteil in Höhe von 40 Prozent an der Singer Manufacturing Company auszahlen und ging wieder nach Europa. Vorher, am 13. Juni 1863, vermählte sich Singer erneut, das zweite mal, mit einer Isabella Eugenie Boyer, einer Französin - geboren 1841 in Paris, die er während seines Aufenthalts im Jahre 1860 in Europa kennen gelernt hatte und wohnte mit ihr in Paris. Sie heiratete unter dem Namen von Isabella Eugenie Sommerville. In Paris fand Singer aber keine Anerkennung.

Isaac Merritt Singer kehrte im Jahre 1870 noch einmal kurz mit Isabella Eugenie Boyer nach Amerika zurück. Die Singer Nähmaschinen Company, die im Jahre 1855 in Paris, 1856 in Glasgow und 1863 in Hamburg schon Zweigniederlassungen eröffnet hatte, verdrängte die europäischen Nähmaschinenproduzenten vom Markt in Europa. Die europäischen Nähmaschinenfabrikanten brachten, aus diesem Grund, angeblich Singer in Europa das Fürchten bei - schrieben und schreiben immer noch Historiker als Ursache dafür, warum Singer im Jahre 1870 wieder nach Amerika ging und anschließend nach England übersiedelte.

Wahrheit, Singer floh mit seiner Familie wegen des Deutsch-Französischen Krieges 1870 und insbesondere wegen der Pariser Kommune. Man kann Singer vielleicht einiges Nachsagen, aber Angst vor der Konkurrenz hatte der Bursche bestimmt nicht! Singer war zu seiner Zeit einer der mächtigsten und reichsten Männer der Welt geworden. Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" führt Singer sogar noch, würde er im Jahre 2000 noch leben, in den Top Hundert der reichsten Männer der Welt.

Ein renomierter Architekt baute in Yonkers, einem Vorort von New York, für Singer eine prächtige Villa. Singer nannte sie "The Castle". Hier wollte das Paar wohnen. Doch Singers Renommee war auch in New York stark angeschlagen. Er fand auch hier keine Anerkennung mehr. Edward C. Clark konnte Singer überzeugen, für immer nach England umzusiedeln. Aus gesundheitlichen Gründen und um zur Ruhe zu kommen willigte Singer ein. Isaac Singer wählte Torquay, einen damals blühenden, eleganten und exklusiven Ort, als zukünftiges Domizil für sich und seine Familie. Die drei Städte, Paignton, Torquay und Brixham bilden heute zusammen die Ortschaft "Torbay" an der englischen Felsenbucht. Übrigens, Torquay ist auch der Geburtsort der Krimiautorin Agatha Christie [15.09.1890 - 12.01.1976].

Resigniert zog das Paar im Jahre 1873 für immer nach England und wohnte für kurze Zeit in London.

In Paignton-Torquay, Grafschaft Devonshire, errichtete Singer nach eigenen Entwürfen ein kostspieliges Herrenhaus. Im gleichen Jahr, 1873, zog Singer in sein "Wigwam", wie er es nannte, eine Villa mit 115 Räumen.

Die Innenräume von Oldway Hause waren in großem französischen Stil und mit erlesenstem Geschmack ausgestattet. An der Decke des Treppenhauses prangte Davids gigantisches Gemälde der Krönung Napoleons.

Die Singers stellten ihren Wohlstand gern zur Schau und ließen ihn bewundern. Als die Singers 1873 ankamen, war die Gesellschaft von Torquay ziemlich snobistisch und abweisend. Isaac Singer, der um vieles reicher war als irgendeiner der Ortsansässigen, wurde missgünstig angesehen: als Geschäftsmann, als Fremder, aber auch wegen seines äußerst unkonventionellen Privatlebens. Vor der Heirat mit Isabella Eugenie Boyer hatte er bereits 16 uneheliche Kinder. Gesellschaftlich höher stehende Mitbürger schlugen daher die Einladungen der Singers meist aus. Singer ließ sich dadurch nicht beirren. Er baute für seine junge Familie eine Reitschule und ein Schwimmbad und stellte beides gelegentlich einem Wanderzirkus zur Verfügung, der die armen Kinder der Region unterhalten sollte. Die waren nicht zu stolz zu kommen und sich zu amüsieren.

Hier lebte Singer noch zwei Jahre bis zu seinem Tod am 23.07.1875. Er wurde in Torquay beerdigt. Als die Familie später auszog, wurde Oldway House erst ländliches Clubhaus, dann Krankenhaus und schließlich Rathaus, mit Verwaltungsgebäude, Sitz der Sozialfürsorge und Räumen für Freizeitaktivitäten. Singer hinterließ ein Privatvermögen in Höhe von $13 Millionen Dollar für die Singer Erbengemeinschaft. Nach seinem Tod veränderte und vergrößerte der Sohn, Paris Singer, das Anwesen noch erheblich, für seine Muse Isadora Duncan. Die Nichte von Isaac Merritt Singer, Daisy Fellowes, verkaufte den Besitz "Oldway" an die Stadt Torquay.

Nach Singers Tod kehrte Isabella Eugenie Boyer-Summerville, schon im Jahre 1875, mit ihren Kindern wieder nach Paris zurück, verliebte sich in einen belgischen Musiker und kaufte sich einen Herzogtitel "Duc of Compocelicè". Isabella Eugenie Boyer wurde tonangebend in der Pariser Gesellschaft und soll das Modell gewesen sein für die amerikanische Freiheitsstatue in New York.

Freiheitsstatue:

Entworfen hat sie der Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi. Er arbeitete mehr als 21 Jahre an seiner Idee, der Freiheit ein Denkmal zu setzen. Sie wurde 1876 den USA von Frankreich zum 100. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit geschenkt. 10 Jahre später, am 28. Oktober 1886, wurde Miss Liberty auf der ca. 5 km großen "Freiheitsinsel" aufgestellt.

Das nur eine Dame die "Vorlage" für die Statue gewesen sein soll, ist eher unwahrscheinlich. Pardon meine Damen, 21 Jahre hat der Bursche an dem Moloch gewerkelt und hat die in New York etwa Falten?

Andere Quellen sprechen auch davon, dass die Mutter von Bartholdi das Modell gewesen sein soll. Na bitte, schon zwei.

Das Privatvermögen von Isaac Merritt Singer wurde nach zig Zivilrechtsklagen unter den zwei Ehefrauen und den Kindern aufgeteilt. Von den zerstrittenen Singer-Erben kaufte Edward C. Clark, jetzt Präsident der Singer Manufacturing Company, in der Folgezeit in erheblichen Umfang Aktien auf.

Berlin, im November 2002

Lothar A. K. W u t t k e

Leader

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