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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

01.09.2003

Veritas – mehr als nur eine Fabrik

Zahlreich kamen vor allem ehemalige Werksangehörige zu "100 Jahre Nähmaschinenwerk in Wittenberge"

Wittenberge Den Geist von Veritas scheint es noch zu geben. Mit einer gewissen Andacht betraten gestern viele ehemalige Werksangehörige das einstige Vorzeigeunternehmen. Manfred Kleber zum Beispiel hat von 1961 bis 1991 im Nähmaschinenwerk gearbeitet. Der Grundsteinlegung im September 1903 erinnerten sich die Wittenberger gestern bei einem Fest auf dem Betriebsgelände. Mit "gemischten Gefühlen" dürfte an diesem Tag nicht nur Manfred Kleber seine emotionale Verfassung beschrieben haben. Doch fügt er hinzu: "Wer weiß, ob es auch mit der DDR Veritas noch gäbe angesichts des Weltmarktes".

Der Zwangsverwalter des Veritas Parks, Jochen Mismahl, verwies darauf, dass sich einiges regt auf dem Werksgelände. Immerhin sind 24 Firmen mit 250 Beschäftigten hier ansässig. An Karl-Heinz Straßburg, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, übergab er das Schild für einen neuen Pegel. Eine alte Messtelle auf dem Werksgelände wurde wieder aktiviert. Künftig sollen die Werte am Werkstor angezeigt werden. Jochen Mismahl gab dann auch den Uhrenturm zur Besichtigung frei. Für die meisten war es das erste Mal, dass sie den Turm, das Wahrzeichen Wittenberges, betreten durften. Kaum einer der Beschäftigten war zu DDR-Zeiten hier hinein gekommen. Die Räume wurden als Lager genutzt. Auch konnte sich gestern keiner erinnern, dass jemals der Fahrstuhl in Betrieb gewesen sei. Ursprünglich sei er wohl geplant gewesen, da der Turm aber nie eine Anbindung zu anderen Gebäuden erhalten habe, wurde die Absicht nicht ausgeführt.

Ralf von Hagen, der vor Ort den Veritas-Park verwaltet, freute sich, dass auf dem Turm nun die Fahne der Stadt weht. Der Bürgermeister hatte sie spendiert.

Ganz ohne Zwang griffen die Besucher nach der Betriebszeitung "Werk und Welt", die ihr Erscheinen im Dezember 1989 im 35. Jahrgang eingestellt hatte. Frank Stubenrauch, damals Chefredakteur, hat es sich nehmen lassen gemeinsam mit dem Veritas-Park und vielen anderen eine Sonderausgabe herauszugeben. Auf die Frage, ob dies nun die letzte Ausgabe der Betriebszeitung sei, meinte er nur: "Man sollte nie nie sagen." Die Leser erfahren, was aus ehemaligen Kollegen geworden ist; Lothar Wuttke erinnert sich an den Veritasklub und der Freundeskreis der Nähmaschine stellt sich vor. Oliver Hermann, Leiter des Kultur- und Tourismusbetriebes, hatte bei der Eröffnung davon gesprochen, dass die Nähmaschine zu einem Symbol für die Stadt geworden sei und der Name Veritas heute noch für Vereine stehe. Veritas und Singer seien schon immer mehr als eine Fabrik gewesen.

Text: Michael Beeskow

Nach oben  Medien, Märkische Allgemeine Zeitung, 01.09.2003

Adaptation: Susanne Salender

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