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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

23.07.2005

"Was hätten wir ohne sie gemacht"
Geschichtenbuch über das Nähmaschinenwerk

Wittenberge Nicht nur Nähmaschinenwerker werden sicher gern zu dem Buch greifen, das gerade im Entstehen ist: Die Geschichte des Nähmaschinenwerkes.

Lothar Wuttke ließ es keine Ruhe, dass der 100. Jahrestag der Gründung des Singer-Werkes trotz der Mühen des Freundeskreises Nähmaschine und des Heimatvereins nicht so gewürdigt wurde, wie er es sich als letzter Leiter des Veritas-Klubhauses vorgestellt hatte. Mit einigen Unentwegten, die mittlerweile in ganz Deutschland verstreut sind, hält er mit dem Veritasklub von Berlin aus das Andenken an den Traditionsbetrieb aufrecht.

Eine Internetseite http://www.veritaslounge.de.vu informiert über alles, was über Singer und Veritas zusammenzutragen ist.

Jetzt entsteht ein Buch über die Geschichte des Werkes. Der Titel "Was hätten wir ohne sie gemacht" weist schon darauf hin, dass es keine Betriebschronik ist, was ein vielköpfiges Autorenteam dort zusammengetragen hat. Unkonventionell geschrieben, ist es ein Buch vor allem über die Menschen und mit vielen bisher unbekannten Geschichten. Der Titel ist zitiert aus den Grußworten Karl Lagerfelds zum 100. Geburtstag, denn auch der berühmte Modeschöpfer lernte sein Handwerk auf einer Singer.

Wer weiß schon, dass das Werk in Wittenberge gebaut wurde, weil man so begeistert von den Menschen in der Prignitz war, weil sie nicht aufmuckten und Bürgermeister Nedwig mit dem Preis für das Bauland runterging. Oder, dass Isaac Merritt Singer, der Namensgeber der Marke, die Nähmaschine überhaupt erst gebrauchsfähig machte, das Montageband erfand und die so mögliche Massenproduktion über den von ihm erfundenen Ratenverkauf an die Frau brachte? Erstmals werden auch die Geheimnisse bis zur Liquidation am 31. 12. 1991 gelüftet.

"Singer ist nie enteignet worden, obwohl es ein Rüstungsbetrieb war. Da hat man sich zu DDR-Zeiten streng dran gehalten. Erst nach dem Verkauf an Horst Lütgering wurden 7,5 Millionen Euro an den Konzern ausgezahlt", weiß Wuttke.

Viele Geschichten hat das Team in Archiven, in Befragungen von Zeitzeugen, beim Studium von Dokumenten ausgegraben. "Als Grundgerüst dient uns natürlich die Arbeit von Heinz Muchow." Der Wittenberger Heimathistoriker wird auch die letzte Korrektur des Buches lesen.

Zahlreiche Sponsoren im In- und Ausland hat Wuttke für die Veröffentlichung gefunden – alle haben irgendwelche Beziehungen zur Region oder dem Produkt: den Verlag der "Deutschen Nähmaschinenzeitung", Nachfahren von Singer-Größen, die Singer Corporation New York, Seidensticker und natürlich die Förderstellen im Land.

Im September soll das Manuskript zum Layout gehen, damit es noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft verkauft werden kann. 300 bis 320 Seiten werden es wohl werden, schätzt Wuttke.

"Obwohl wir viel zusammengetragen haben, fehlen uns Fotos aus der GmbH-Zeit, zum Beispiel vom 1. Streik am 4.4.90, von der Versteigerung im März 92, vom Klubhausbrand 95, aus der Lütgering-Zeit", bedauert Wuttke. Aber vielleicht hat ja jemand noch privat Fotodokumente von diesen Ereignissen – der kann sich beim "Prignitzer" melden – und das Buch wäre noch bereichert.

Text: Rainer Dyk

Nach oben  Medien, Der Prignitzer, 23.07.2005

Adaptation: Andreas Coppeé

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