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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

26.09.2006

Was waren denn Aktivisten?
Zwei junge westdeutsche Filmer auf "Besuch zu Hause" in Wittenberge

Wittenberge Am Pavillon neben der Kantine, wo Else die schmackhaftesten Kohlrouladen zubereitete, kommen die Erinnerungen. Nach dem Mittag stand man hier mit Kollegen aus den anderen Abteilungen, tauschte Neuigkeiten aus, die nicht in "Werk & Welt" standen, und kehrte den Losungen von Gewerkschaft und Partei den Rücken. "Da hingen die Fotos von Neuerern, Kollektiven der sozialistischen Arbeit und von Aktivisten", erzählt der 41-jährige Mario Wisotzky vor laufender Kamera. "Können Sie im heutigen Deutsch erklären, was Aktivisten waren?", hakt Filmer Sebastian Schirmer nach. "Ich war keiner, aber dazu zählten jene, die den Plan übererfüllten", versucht Wisotzky, ehemaliger Nähmaschinenwerker und heutiger Gruppenleiter bei der Lebenshilfe, einem "von drüben" das Vokabular zu erklären.

Das Interesse ist echt, das die zwei 24-jährigen Offenburger Filmstudenten Sebastian Schirmer und Ryoraro Kajimura gestern auf dem ehemalige Werksgelände des Nähmaschinenwerkes zeigten. Sie sind auf Spurensuche nach der DDR, nach bekannten Bildern und dem tatsächlichen Leben unter der Oberfläche.

Die beiden Westdeutschen wollen 16 Jahre nach der Wende in einem Dokumentarstreifen Ostdeutschland für sich und andere entdecken. Studien besagen, dass jeder dritte Westdeutsche noch nicht in den neuen Länder war. Ihre filmische Reise durch Wittenberge, Halle, Dresden und Bautzen soll mehr Verständnis für die vielen Missverständnisse zwischen Ost und West entwickeln helfen, so ihr Wunsch. So nannten sie dieses erste große Filmprojekt "Besuch zu Hause".

Text: ch

Nach oben  Medien, Märkische Allgemeine Zeitung, 26.09.2006

Adaptation: Björn Ruder

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