+ V E R I T A S L O U N G E +

Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

05.01.2008

Das ganze Werk in vier Bänden

WITTENBERGE - Barbara Haak sprach darüber mit Lothar Wuttke. Der ehemalige Leiter des Nähmaschinenklubhauses lebt heute als Kulturmanager in Berlin.

Seit Ende November ist der dritte Band der Reihe "Nähmaschinenwerk Wittenberge" auf dem Markt. Er heißt Veritas. Ist der Name Programm?

Ja, denn er behandelt die Zeit des Werkes von 1945 bis zu den letzten Tagen als volkseigener Betrieb.

Ist das nicht gleichbedeutend mit dem Schließdatum?

Nein, ist es nicht. Das Werk existierte nach der Wende als GmbH noch bis zum 31. Januar 1992. Zu diesem Zeitpunkt erhielten die restlichen Nähmaschinenwerker ihre Kündigung. Wir, also der Veritasklub als Herausgeber der Reihe, behandeln diese letzten Jahre noch in einem gesonderten Buch.

Wie weit sind Sie mit der Vorbereitung?

Dieser vierte Band steht kurz vor dem Abschluss und befasst sich detailliert in Wort und Bild mit der Liquidationszeit. Im Herbst soll das Buch erscheinen. Der Klub hat eine Auflagenhöhe von 200 im Auge. Für den jetzt erschienenen Veritas-Band haben wir als Ausnahme 500 Stück drucken lassen. Unser Klub, der ja als Verein organisiert ist, konnte das aber nur dank der Unterstützung aus dem Wissen-Media-Verlag (Gütersloh).

Der Veritas-Band hatte zwei Vorläufer, die die Zeit vom Werksaufbau 1903 bis 1945 tiefgründig behandeln. Wie sind Sie an das umfangreiche und fundierte Material für alle drei Bücher gekommen?

Durch die beiden namhaften Heimatforschern Heinz Muchow und Hans-Joachim Eichel; außerdem über die Singer-Company in New York, was die Zeit vor 45 betrifft. Auch haben uns Nähmaschinenwerker geholfen. Wolfgang Röber und Harald Könnig seien besonders genannt. Das Stadtarchiv und Stadtmuseum unterstützten uns sehr. Große Hilfe kam vom letzten Betriebsdirektor Dr. Klaus Völzer. Großzügige Unterstützung erhielten wir auch von Landrat Hans Lange mit seinem Team und dem Chef des Perleberger Amtsgerichts.

Das Material zu Büchern zu verarbeiten macht sehr viel Mühe und kostet unendlich Zeit. Warum unterwirft man sich dieser Anstrengung?

Nach der Wiedervereinigung mussten wir leider erfahren, dass viele Bürger aus den alten Bundesländern gar nicht wussten, dass Wittenberge die größte und modernste Nähmaschinenfabrik Europas ihr Eigen nannte. Darüber hinaus hatte nach der Wende jeder so viele Probleme, dass das Werk auch in der Stadt leider fast vergessen war.

Wenn man das Wissen jetzt nicht aufbereitet und aufzeichnet, geht es unwiederbringlich verloren. Denn die Leute, die den Betrieb noch kennen und viele Informationen haben, werden naturgemäß immer weniger.

Ist die Nachfrage zur Publikation so groß wie erwartet?

Ja, der erste und der zweite Band ist schon in der Zweitauflage erschienen. Großes Interesse gibt es auch im Ausland, in Großbritannien beispielsweise, wo die größte Singer-Fabrik Europas stand. Diese schloss in den 70er Jahren. Und in den USA ist man, bedingt durch den Singer-Konzern, auch interessiert.

Der "Prignitzer" dankt für das Gespräch.

Text: Barbara Haak

Nach oben  Medien, Der Prignitzer, 05.01.2008

Adaptation: Nicolas Wendler

0.gif (43 Byte)

[Main]    [Index]    [Zurück]    [Weiter]