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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

24.11.2008

Berlin-Brandenburg

Das Ende von Veritas

Gerold Genth kam als Lehrling in das volkseigene Nähmaschinenwerk Veritas in Wittenberge. Hier fertigte er als Dreher Gehäuse und am Ende half er als ABM-Kraft bei der Demontage. Man sei ja froh gewesen, überhaupt noch eine Arbeit zu haben, erzählt Genth bitter. "Man sagte uns, das Nähmaschinenwerk sei nicht modern genug ausgerüstet gewesen, um zu überleben. Aber selbst die ältesten Werkzeugmaschinen wurden noch verkauft", wird der Dreher im jüngsten Buch zur Geschichte des Betriebes zitiert.

In diesem Band geht es um die Liquidierung des traditionsreichen Unternehmens bis hin zur Löschung des Markennamens. Im Oktober 1989 hatte die Firma ein Gerät vom Typ "Famula" an das bei Güstrow gelegene Kinderheim der namibischen Befreiungsorganisation SWAPO verschenkt. Es handelte sich um die siebenmillionste Haushaltsnähmaschine, die seit 1945 in Wittenberge hergestellt worden war.

Doch obwohl das Werk in den 80er Jahren den west- und mitteleuropäischen Markt beherrschte, wickelte die Treuhand es ab 1991 ab. 3200 Menschen verloren ihren Job. Ein schwerer Schlag für die Region, aber die westliche Konkurrenz wollte den ostdeutschen Rivalen beseitigen, so die These des Autors Lothar A. K. Wuttke. Der Klub der ehemaligen Mitarbeiter gab auch diesen vierten Band zur Werksgeschichte heraus.

Das Buch enthält nicht sehr viel Text, es lebt von den vielen abgedruckten Bildern, die zum Teil aus dem Archiv des ND stammen. Eins der Fotos zeigt einen Kohle- und Baustoffhändler aus der Lüneburger Heide. Dieser habe das Werk im Juli 1992 von der Treuhand gekauft, Kredite und Fördermittel eingesammelt, sei dann verschwunden und zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, steht geschrieben. Heute züchte der Mann Springpferde.

Lothar A. K. Wuttke: "Nähmaschinenwerk Wittenberge – Liquidation", 56 Seiten (Hardcover), 44,90 Euro, zu beziehen über den Veritasklub, Kummerower Ring 1, in 12619 Berlin, Tel.: (030) 563 00 76

Text: Andreas Fritsche

Nach oben  Medien, Neues Deutschland, 24.11.2008

Adaptation: Susanne Salender

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