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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

06.10.2009

Überraschung für "Karl Singer" im Turm

Industriegeschichte Herbert Schlie geehrt

Wittenberge Mehr als zwanzig Mal im Jahr steigt Herbert Schlie im schwarzen Frack und Zylinder die 192 Stufen des Uhrenturmes empor, um Touristen und Wissbegierigen zu erklären, was es mit dem liebevoll so genannten "Big Beni" (wegen der Anstrengung beim Hochsteigen) auf sich hat. Dabei schlüpft er in die fiktive Rolle des Karl Singer, der viele Geschichten über das Singer- beziehungsweise Veritas-Werk, das 90 Jahre lang den Puls der Stadt maßgeblich beeinflusste, zu erzählen weiß.

Am Samstag, war es für die Saison 2009 das letzte Mal, dass er offiziell zum Turmaufstieg einlud. Und wieder kamen mehr als 60 Besucher, darunter viele ehemalige Nähmaschinenwerker. Sie wollten mit Karl – oder Herbert – beim Rundgang durch die verschiedenen Ausstellungen in den einzelnen Etagen des Turmes etwas über die Historie des Werkes erfahren.

Dabei erhielt der exzellente Kenner der Wittenberger Industriegeschichte eine kleine aber feine Ehrung. Lothar Wuttke vom Veritasklub, der sich seit der Wende und der Liquidierung des Werkes für die Bewahrung des Erbes des ehemaligen Nähmaschinenwerkes einsetzt, überreichte ihm das Erst-Exemplar der gerade erschienenen Biographie des echten "Singer".

Die Autorin Angelika Glander war bei der Übergabe des Buches über den "König der Nähmaschinen", Isaac Merritt Singer, selbst zugegen. Fast sieben Jahre lang recherchierte sie sorgfältig über diese interessante Persönlichkeit, deren Erfindungen quasi die Welt veränderten.

Im Jahr 2011 jährt sich zum 200. Mal Singers Geburtstag. Seine Nähmaschinen waren eine der größten technischen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts. Über ihn wusste man bis dato so gut wie nichts. Das hatte seinen Grund, verriet Angelika Glander in Wittenberge. Wichtige Dokumente aus seinem Leben wurden lange unter Verschluss gehalten. Nur die Bekanntschaft mit der Ur-Ur-Ur-Enkelin öffneten ihr die Mappen mit historischen Fakten und Details. Angelika Glander folgte den Spuren dieses außergewöhnlichen Mannes in Deutschland, den USA, Frankreich und England: Als Sohn deutscher Einwanderer wurde er in den USA geboren. Er begann als bettelarmer Wanderschauspieler, stieg als genialer Erfinder und Geschäftsmann zum Multimillionär auf, wurde zur unerwünschten Person in New York – und hatte 24 Kinder mit fünf Frauen.

Damit konnte und wollte Karl Singer alias Herbert Schlie natürlich nicht dienen. Dennoch freute er sich über diese überraschende Ehrung und noch mehr über den Zuspruch für seine Führungen, für die er als ehemaliger Nähmaschinenwerker auch zukünftig gefragter Ansprechpartner sein wird.

Text: ch

Nach oben  Medien, Märkische Allgemeine Zeitung, 06.10.2009

Adaptation: Susanne Salender

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