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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

10.07.2013

Der Big Ben von Wittenberge verkümmert

Einst überragte der Prignitzer Uhrenturm ein Industriegelände - seit 13 Jahren findet sich kein Investor

Der Uhrenturm überragt fast alles in der Stadt. Rund 50 Meter hoch ist der Big Ben von Wittenberge in der Prignitz. Seine Ziffernblätter weisen in alle Himmelsrichtungen – und schlagen mit 7,30 Metern Durchmesser gar den berühmten Kameraden in London um einige Zentimeter. Doch vom Glanz an der Themse ist an der Elbe nichts zu entdecken. Putz bröckelt von der Fassade, einige Fensterstreben sind verrostet. Um den Turm herum stehen Dutzende Gebäude, zu denen vor allem ein Begriff passt: Ruinen.

Dabei war die Fabrik, der der Uhrenturm als Wasserspeicher diente, einmal das Industrieherz von Wittenberge. Zwischen 1904 und 1991 liefen dort nach Angaben der Stadt Millionen von Nähmaschinen vom Band. Zunächst von der Traditionsmarke Singer, nach dem Zweiten Weltkrieg dann unter dem Namen Veritas. "Das Gelände verkörpert das alte Wittenberge als Industriestadt", sagt der Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos).

Mit bis zu 3000 Arbeitsplätzen war das Werk zu DDR-Zeiten der größte Arbeitgeber in der Region. "Unser großer Wunsch ist es, das wieder zum Leben zu erwecken", so Hermann. Seit mehr als 13 Jahren stehen die ehemaligen Fabrikbauten unter Zwangsverwaltung. Die Eigentümerfrage sei unklar, seit der einstige Käufer des Werks zahlungsunfähig sei. Interessenten habe es immer wieder gegeben.

Zu einem Verkauf oder einer Zwangsversteigerung kam es nie. Ganz leer steht das riesige und größtenteils denkmalgeschützte Areal nicht. "Rund 50 Firmen mit 400 Beschäftigten haben sich hier angesiedelt", sagt der Verwalter Ralf von Hagen. Die Kleinunternehmer arbeiten unter anderem in der Textillogistik, der Oberflächenbeschichtung und der Reinigungsbranche.

Der Bürgermeister hofft nun auf den Tourismus. In die alte Ölmühle in Wittenberge seien ein Hotel und ein Brauhaus eingezogen, das einstige Zellstoffwerk sei zu einem Gewerbegebiet mit Industriehafen geworden. "Noch kann sich in dem ehemaligen Nähmaschinenwerk nichts entwickeln, weil die Perspektive fehlt", sagt Herrmann.

Mit einem nostalgischen Ansatz hat man es im Uhrenturm bereits versucht: Das Stadtmuseum zeigt alte Nähmaschinen und dokumentiert die Geschichte der Fabrik. Die Idee für ein Café mit Blick über die Elbe ist aber schon wieder gestorben. Zum Leidwesen von Lothar Wuttke. Er hat einen großen Teil seines Lebens in dem Nähmaschinenwerk verbracht. 1973 fing er als Arbeiter an. Gemeinsam mit anderen ehemaligen Beschäftigten hat er den "Veritasklub" gegründet, mit dem er an die alte Zeit erinnern will. Sein Vorschlag: Ein Modemuseum würde gut zu dem alten Gelände passen. (dpa)

Text: Anja Mia Neumann

Nach oben  Medien, Hannoversche Allgemeine, 10.07.2013

Adaptation: Henry Kannus

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