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Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

21.02.2019

Karl Lagerfelds Grüße nach Wittenberge

"Sollte ich mal sterben, wird von mir nichts übrig bleiben, werde alles verbrennen", schrieb Karl Lagerfeld, als ihn die Traditionspfleger des Wittenberger Veritas-Nähmaschinenwerkes um ein Kleidungsstück fürs Museum baten. Doch es kam anders.

Wittenberge. Karl Lagerfeld und das Nähmaschinenwerk in Wittenberge – es gab nie eine persönliche Begegnung, aber doch waren der Modezar und die Traditionspfleger der Veritas-Werke freundschaftlich verbunden.

2003 – als in Wittenberge der 100. Geburtstag des Nähmaschinenwerks gefeiert wurde, bat der Veritasklub den Modeschöpfer um ein Grußschreiben für eine Ausstellung. "Das ist mir zu unpersönlich", antwortete Lagerfeld. Die nächste Idee gefiel dem Modemacher schon besser.

Alte Singer-Nähmaschine mit Handkurbel

Der frühere Betriebszeitungsredakteur Frank Stubenrauch schoss ein Foto von einer historischen Singer-Nähmaschine, die ab 1903 in Wittenberge hergestellt wurden, noch mit Handkurbel. Das Foto schickte Veritasklubchef Lothar Wuttke, nach Paris mit der Bitte um ein Autogramm, das postwendend kam – mit einer Reverenz an die legendäre Singer-Nähmaschine. "Was hätten wir ohne sie gemacht? – Ihr Karl Lagerfeld."

"Das hat uns natürlich besonders gefreut", sagt Lothar Wuttke. Der heute 66-jährige, der noch heute als PR-Mann im Nähmaschinen-Business ist, hat 1973 als Dreher und Fräser im Nähmaschinenwerk Wittenberge angefangen und bis zur Abwicklung des Werkes durch die Treuhand im Jahr 1992 dort gearbeitet.

Der Veritasklub, der seitdem das Erbe des einzigen Herstellers von Haushaltsnähmaschinen in der DDR bewahrt, wurde dort 1976 als Jugendklub gegründet. Damals wurden allen großen Betrieben Jugendklubs und Klubhäuser verordnet. Wuttke wurde nach seinem Kultur-Studium Klubhausleiter und blieb es bis zuletzt.

Eine Veritas zum "Rentnergeburtstag"

Ob Karl Lagerfeld, der um sein wahres Alter immer ein Geheimnis gemacht hat, im Jahr 2003 wirklich 65 Jahre alt wurde, darüber konnten die Mitglieder des Veritasklubs nur spekulieren. Dennoch schickten sie ihm zu seinem "Rentnergeburtstag", wie Wuttke es nennt, ein Geschenk: Eine Veritas-Nähmaschine.

Diese Nähmaschine wurde zur Freude der Veritasklubmitglieder immer mal wieder als Schaufensterdekoration in Karl Lagerfelds damaligem Store, der Karl-Lagerfeld-Gallery" in der Rue Vivienne in Paris gesehen.

Auch sonst blieb der Star-Designer den Wittenbergern verbunden. So finanzierte er das Buch über die Geschichte des Singer-Nähmaschinenwerkes von 1903 bis 1945 maßgeblich mit. "Wir fragten an, und er sagte sofort zu", erzählt Lothar Wuttke. Das Buch ist noch im Veritas-Shop oder im Museum in Wittenberge zu haben. "Karl Lagerfeld war unser Klubfreund und unser Mäzen", sagt Lothar Wuttke

Übrigens hatten sich die Veritas-Freunde 2003 nicht nur um ein Autogramm bemüht. Für das Modemuseum im Schloss Meyenburg baten sie den Star-Designer um ein von ihm entworfenes Kleidungsstück. Karl Lagerfeld lehnte ab – mit einer erstaunlichen Begründung: "Sollte ich mal sterben, wird von mir nichts übrig bleiben. Werde alles verbrennen!"

Nun ist Lagerfeld gestorben, aber es ist doch etwas übrig. Die Erinnerung der dankbaren Nähmaschinenwerker – und ein von Lagerfeld handsigniertes Nähmaschinenbild. Das Original hat der Veritasklub dem Fotografen Frank Stubenrauch 2008 zum 50. Geburtstag geschenkt. "Das Foto halte ich in Ehren", versichert der. "Es hat bei mir einen Ehrenplatz."

Text: Kathrin Gottwald

Nach oben  Medien, Märkische Allgemeine Zeitung, 21.02.2019

Adaptation: Nicolas Wendler

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