+ V E R I T A S L O U N G E +

Offizielle Seite des Nähmaschinenwerkes Wittenberge

 

22.08.2019

Was wurde aus dem Singer-Chef Philip Simon?

Ein silbernes Identitätsarmband erweist sich als Schlüssel für die Antwort.

Wittenberge Was ist aus dem erste Werkleiter der Wittenberger Singer-Nähmaschinenfabrik, Philip Simon, geworden? "Endlich können wir auf diese Frage konkreter antworten als bisher", freut sich Lothar Wuttke als Vorsitzender des Veritasklubs, der die Geschichte des 1903 gegründeten und kurz nach der Wende geschlossenen Werkes aufarbeitet. Zwar sind die

genauen Geburts- und Sterbedaten des Simon noch nicht bekannt, aber wesentliche Fakten aus dessen Leben. "Der Zufall hat uns geholfen", so Wuttke. Dieser Zufall manifestiert sich in Form eines silbernen Identitätsarmbandes mit dem Namen "Lt PFHSimon" sowie der Aufschrift "C of E" (Church of England) und "RFA" für Royal Field Artillery. Die Britin Gloria Wall fand es beim Umgraben in ihrem Garten in Shoreham Beach, berichtet Wuttke.

Im April 2017 wieder Gesprächsthema

Bekannt ist, dass der Ingenieur Philip Frederick William Simon von 1905 bis November 1914 der erste Leiter des Singer-Werkes in der Elbestadt war. Wo aber kam der Mann her? Was ist aus dem Briten geworden, nachdem England 1914 in den Krieg gegen Deutschland eingetreten war? Fragen, die Stadtgeschichtler lange nur am Rande streiften, wenn sie sich mit dem Nähmaschinenwerk befassten. Philip Frederick William Simon galt quasi als verschollen. Im April 2017 aber wurde sein Schicksal schlagartig wieder Gesprächsthema. Denn an Bord eines Flusskreuzfahrtschiffes, das in Wittenberge festmachte, befand sich Charles Daplyn aus Großbritannien, der sich als Enkel von Simon vorstellte und auf dem Friedhof von Breese nach dem Grab seines Großvaters suchte.

Werkleiter hatte deutsche Eltern

Er fand es nicht, konnte es auch nicht finden. Denn im März 1915 waren Simon und noch einige Singer-Leitungsmitglieder in Folge des 1. Weltkrieges in dem sogenannten Engländerlager in Berlin-Ruhleben interniert worden. Danach kehrte er, wie jetzt recherchiert ist, nach London zurück, heiratete eine kanadische Frau und ging wahrscheinlich in den Ruhestand. "Diese Erkenntnisse verdanken wir letztlich dem Identitätsarmband. Denn wie sich herausstellte, war Lt PFHSimon der Sohn des ersten Singer-Werkleiters hier in Wittenberge", sagt Wuttke. Der Klubvorsitzende erklärt, dass die Engländerin nach dem Fund des Armbandes Recherchen nach dem Inhaber bzw. dessen Schicksal initiierte, die sich über Jahre hinzogen und schließlich zur Familie Simon führten. Im Zuge der Recherchen wurde auch geklärt, dass der erste Wittenberger Werkleiter deutsche Eltern hatte. Er wurde 1869 in Paris als Sohn von Philip und Laura Simon geboren. Noch heute lebt nach Informationen des Veritasklubs in Südafrika ein Urenkel. Noch einmal zurück nach Breese: Zwar befindet sich auf dem dortigen Friedhof nicht das Grab von Philip Simon, aber das von dessen bereits im Alter von 42 Jahren im August 1909 verstorbenen Frau Lucy Annie Chandler. Die Grabstätte mit einem steinernen Engel existiert noch heute.

Text: Barbara Haak

Nach oben  Medien, Der Prignitzer, 22.08.2019

Adaptation: Björn Ruder

0.gif (43 Byte)

[Main]    [Index]    [Zurück]    [Weiter]